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Blog-Rezensionen

#4– Rezension: Die Königsmörder-Chroniken (Patrick Rothfuss)

  • Blog-Tags: Rezensionen fremder Bücher (Verlag)
  • Verlinkte Buchtags: Fantasy
  • Blog-Einleitung: Die Königsmörder-Chroniken (und ein Autor, den man gleichzeitig liebt und mit der Dachlatte bearbeiten möchte) – bestehend aus Der Name des Windes und Die Furcht des Weisen sind wie eine perfekt zubereitete Mahlzeit, die man den gesamten Tag vorbereiten musste: wunderschön, langsam, poetisch. Kvothe kann alles. Rothfuss schreibt brillant aber langsam. Schatten, Licht, Wechsel. Mehr dazu in diesem Blogpost.
  • Blog-Autor: Simon van de Loo

Die Königsmörder-Chroniken (und ein Autor, den ich zugleich liebe und mit der Dachlatte verhauen möchte.) 

Diese doch recht bekannte US-amerikanische AAA-Buchreihe, bestehend aus den Bände Der Name des Windes/ The Name of the Wind und Die Furcht des Weisen / The Wise Man's Fear (im Deutschen gesplittet in zwei Bände), ist wie dieses perfekt zubereitete Essen, das vermutlich jeder von uns kennt. Der Magen knurrt schon beim Kochen. Man kann nicht glauben, wie schön der Duft ist, aber gleichzeitig denkt man: „Verdammt, geht das langsam.“

Patrick Rothfuss schreibt nicht einfach. Nein, er webt seine ganz spezielle Sprachpoesie in jede Szene, tätschelt deine Leseseele und zwingt dich, über Dinge nachzudenken, die du vorher nie in Betracht gezogen hättest. Jede Zeile glänzt, jede Metapher sitzt, jede Beschreibung atmet. Und während du noch in Tarbean auf dem Pflaster sitzt und Kvothes frühe Armut erlebst, merkst du: Das hier ist literarische Entschleunigung. Vielleicht ein bisschen wie das Gameplay von Red Dead Redemption 2, aber ohne den nervigen Cowboy Akzent.

Aber... wo Licht ist, ist auch Schatten, nicht wahr? Und selbst mein Lieblingsbuch ist lange nicht perfekt. Fallbeispiel: Kvothe. Kvothe ist… nun ja, er ist eben Kvothe. Und eigentlich ist er in Sachen Characterbuilding eine Red Flag. Die fleischgewordene Mary Sue. Alles kann er. Alles weiß er. Alles meistert er. 

  • Musik?Japp
  • Magie? Aber klar!
  • Kampfkunst, Alchemie, Intrigen, Frauenverführung, Gedächtniskunst, Tränke, Geschichten erzählen, Götter beleidigen – ja verdammt, wie haben es begriffen!

Wenn Kvothe ein realer Mensch wäre, würden die UN eine Sonderkommission einberufen, um ihn wegen unfairer Vorteile zu sanktionieren.

Weg vom Rotschopf. Manchmal verliert Rothfuss den Faden. Man fragt sich: „Wo wollte er hier eigentlich hin?“ Manche Kapitel fühlen sich an wie ein Spaziergang durch ein Museum voller brillanter Exponate, die man unbedingt sehen will – nur dass der Ausgang noch 50 Seiten entfernt ist.

Spannung?

Eher sanftes Vorantreiben mit gelegentlichen Hammermomenten. 7/10, weil ich trotz der Poesie manchmal merke, wie mir die Augen zufallen. 

Worldbuilding hingegen?

Atemberaubend. Jede Stadt, jede Legende, jede Magieschule hat Gewicht, Atmosphäre, Geschichte. Man läuft durch Imre und Tarbean, riecht Rauch, hört Musik, spürt Regen auf der Haut. 9,2/10.

Sprache?

Absolute 10/10. Wenn Worte Gold wären, würde Rothfuss in seinem Geldspeicher schwimmen wie Dagobert Duck.

Charaktere?

Großartig. Komplex. Sympathisch. Und ja, arrogant. Kvothe hat manchmal die Arroganz eines Teenagers, der glaubt, die Welt sei sein persönlicher Spielplatz... tja, kein Wunder, wenn man derart begabt ist. 8,5/10, weil man über die gelegentlichen Anflüge von „Ich bin besser als alle anderen“ hinwegsehen kann, solange die Geschichten einen fesseln.

Kurz gesagt:

Trotz einiger Probleme schreibt Rothfuss so, dass man die reale Welt vergisst, während man über Poesie, Freundschaft, Macht und Verlust nachdenkt. Langsam? Ja. Überladen? Manchmal. Aber brillant? Absolut. Für mich persönlich: das beste Buch aller Zeiten. 

Bewertung:

Worldbuilding: 9,2 / 10

Sprache: 10 / 10

Spannung: 7 / 10

Charakterbuilding: 8,5 / 10

Rothfuss Bücher sind Subversion in Seidenhandschuhen. Arroganz mit Laute. Poesie mit scharfem Verstand. Und Kvothe ist ein Schweizer Taschenmesser, aber mit einer Menge Stil!